Gay München

Die bayrische Landeshauptstadt München ist nach Berlin und Hamburg die drittgrößte Stadt Deutschlands. Im Gegensatz zu den anderen beiden gilt München allerdings als recht wohlhabend. Trotz des eher konservativen und katholisch geprägten bayrischen Umlandes, ist München dagegen vergleichsweise liberal. So sitzt im Stadtrat eine rosa Partei und die Stadtverwaltung unterstützt homosexuelle Beratungseinrichtungen. Außerdem finden fast jedes Wochenende irgendwo eine schwule Party statt und die schwulen Straßenfeste sind ebenfalls gut besucht. Diese Liberalität hat durchaus eine Tradition in Bayern. Denn schon unter König Max I. Joseph galt Bayern als einer der liberalsten Länder unter den deutschen Staaten. So erneuerte er 1813 das bayrische Strafgesetz und erlaubte darin einvernehmlich vorgenommene sexuelle Kontakte. Allerdings mit der Staatengründung des deutschen Reiches 1871 und der Einführung des § 175 endete diese liberale Phase auch in Bayern.Und dennoch verfügt München eine über eine lange Ahnenreihe schwuler Persönlichkeiten. Dazu gehören unter anderem der Lyriker August Graf von Platen, die Schriftsteller Thomas und Klaus Mann, der Dichterkreis um Stefan George, der Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld und der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder sowie der volkstümliche Sänger Patrick Lindner. Nicht zu vergessen die beiden tragisch zu Tode gekommen Münchener Originale Walter Sedlmayer und Rudolph Moshammer. Natürlich sollte auch nicht der Lieblingsmonarch der Bayern, Ludwig II., in dieser kleinen Aufzählung nicht fehlen, dessen Homosexualität schon zu Lebzeiten kein mehr Geheimnis war.

In den letzten Jahrzehnten konzentrierte sich das gleichgeschlechtliche Leben rund um das Glockenbachviertel, im Münchener Stadtbezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. In den 1970er noch Heimat des anrüchigen Rotlichtmilieus, avancierte es im Laufe der 1980er Jahre zum Szeneviertel für Studenten, Künstler und der Schwulenbewegung. Als einer der Hotspots ist hier die Traditionsgastätte “Deutsche Eiche” in der Reichenbachstraße zu nennen. Das nur 200 m vom Viktualienmarkt entfernte Hotel, Restaurant und Badehaus ist schon seit den 1950 / 60er Jahren als Szenelokal der Schwulen und Lesben bekannt. Allerdings erst in den 1970er erlangte es zur einer deutschlandweiten Bekanntheit, als die Festivitäten eines Rainer Werner Fassbinders und seine Entourage zur berühmt berüchtigten Legende wurden. Aber auch der Front-Mann von Queen, Freddie Mercury, war hier ein gern gesehener Gast. Des Weiteren befindet sich am Sendlinger-Tor-Platz das von Wolfgang Tillmann entworfene AIDS-Memorial, welches zu den wenigen Denkmälern dieser Art in Deutschland gehört. Das eigentliche schwul-lesbische Leben aber, konzentrierte sich rund um die Müllerstraße. Allerdings ist hier seit einigen Jahren ein negativer Trend zu beobachten, denn die Anzahl der schwul-lesbischen Lokale nahm im Laufe der Zeit immer weiter ab. Gab es 1990 bis 1995 noch bis zu 50 verschiedene schwule Lokale, so sind es heute nur noch weniger als 10 – Tendenz weiter abnehmend. Zum einen liegt es am geänderten Ausgehverhalten in Zeiten von Smartphones und sozialen Netzwerken, und zum anderen an den horrend gestiegen Mietpreisen. Unter der Hand wird sich sogar erzählt, dass Heterosexuelle, für ein neues Ladenlokal, nur die Hälfte des Mietpreises bezahlen müssen. Wie dem auch sei, Tatsache ist, dass das ehemalige Szeneviertel sich immer mehr hin zur Partymeile verändert. Das neue Straßenbild führt auch allerdings dazu, dass es in der Vergangenheit verstärkt zu homophoben Handlungen kam. Diese reichen von Pöbeleien bis hin zu vereinzelten gewalttätigen Aktionen gegenüber Schwulen und Lesben.

Aber dennoch gibt dort noch einige Lokale für schwule Paare. So wie die jüngste und letzte neu eröffnete (im Jahr 2007) Schwulenbar in der Holzstraße, das “Jennifer Parks”. Diese kleine Bar sowie der schwule Jugendtreff “Diversity” in der Münchener Blumenstraße, richten sich vor allem an ein jüngeres Publikum. Aber es haben sich noch ein paar von den legendären Absturzkneipen erhalten, wie der “Ochsengarten”, dass auch von Freddie Mercury, in Begleitung von Babara Valentin, mal besucht wurde sowie die “Lederkneipe”, die als letzte Kneipe in der Müllerstraße ihre Fenster noch schwarz verklebt hat. Andere einstmals bekannte Namen wie das “Morizz” oder das “Mylord” sind mittlerweile dem Verdrängungsprozess zum Oper gefallen und mussten schließen oder zogen um wie die “Teddy-Bar”, die jetzt in der Pestalozzistraße zu finden ist. Lokale für lesbische Paare gibt es dagegen im Glockenbachviertel keine mehr.

Nichtsdestoweniger bemüht sich München darum, schwule und lesbische Paare als Touristen in die Bayern-Metropole zu locken. Denn schon längst zählen sie bei den hiesigen Marketing-Strategen zu der am meist begehrtesten Zielgruppe. Schwule und Lesben gelten hier als besonders reise- und feierfreudig, die aber nicht zu laut sind; sie gelten als äußerst freundlich, höflich und vor allen Dingen – als besonders kaufkräftig. Zwar liegt die bayrische Landeshauptstadt in den Übernachtungszahlen deutschlandweit noch hinter Berlin auf Platz zwei, aber duch verschiedene Aktivitäten erhofft man sich auch homosexuelle Paare verstärkt in die Stadt zu holen. Neben dem Kulturtourismus ist der Hauptanziehungspunkt natürlich das alljährliche Spektakel rund um das Oktoberfest. Auch für Schwulen und Lesben gibt auf der “Rosa Wiesn” zahlreiche Termine und Lokalitäten zum “abfeiern”, zum Beispiel am “Gay Sunday” im “Bräurosl”. Aber auch während des Christopher Street Day findet seit vielen Jahren, als zentrale Party in den Sälen des Rathauses, das sogenannte “Rathaus Clubbing” statt.